Hier finden Sie die neuesten Informationen, und Beiträge des Vereins:

 

  • Der Newsletter 2017-07 mit Informationen zur gegenwärtigen Nutzung der der BER-Südbahn, zum Bahnlärm durch den nächtlichen Güterzugverkehr und zu Befragung der Bürgermeisterkondidaten zum Thema BER.

 

 

 

Beantwortung der Fragen, der Mitglieder des Vereins GegenLärm e.V. durch die Bürgermeisterkandidaten

Von den 10 Bürgermeisterkandidaten, die den Fragebogen von uns erhalten haben, antworteten 6 Kandidaten. An dieser Stelle vielen Dank dafür.
Frau Uhlworm hat sich dafür entschieden, alle Fragen in einer pauschalen Antwort zu beantworten. Ihre originale Antwort finden Sie hier.
Die Originale der spezifischen Antworten der anderen Kandidaten finden Sie als Link direkt bei den Kandidaten

Die folgende Tabelle enthällt die Fragen und die dazugehöhrigen Antworten als Übersicht:

Zusätzlich können Sie sich diese Tabelle als PDF-Datei herunterladen.

 

Gudrun Eichler Jörn Perlik Uwe Mahlich Frank Vulpius Norbert Kleinwächter
Kandidatin in Königs Wusterhausen Kandidat in Königs Wusterhausen Kandidat in Wildau Kandidat in Wildau Kandidat in Wildau
Orginalantwort Orginalantwort Orginalantwort Orginalantwort Orginalantwort
         
Frage 1: In welcher Form beabsichtigen Sie, sich für das Nachtflugverbot von 22:00 - 06:00 Uhr am BER gemäß dem Ergebnis des Volksbegehrens einzusetzen?
         
Ein Nachtflugverbot von 22-6 Uhr fällt in den Zuständigkeitsbereich des Brandenburger Landtages. Das Volksbegehren dazu wurde angenommen. Die Umsetzung muss erfolgen. Als Bürgermeisterin werde ich mich in persönlichen Gesprächen mit Landtagsabgeordneten aller Fraktionen und Vertretern der Landesregierung und auch öffentlich für das Nachtflugverbot einsetzen. Ich werde mit anderen BürgermeisterInnen gemeinsam dafür streiten. Ich werde mein schützendes Votum in der Fluglärmkommission sowie gegenüber der Landesregierung nachdrücklich unterstreichen.

Die Nachtflug-einschränkungen bzw. das Nachtflugverbot am BER kann in Übereinstimmung mit den gesetzlichen Grundlagen nur von den 3 Gesellschaftern des Flughafens Land Brandenburg,                  Land Berlin und Bundesrepublik festgelegt werden. Als Bürgermeister einer Kommune kann man nur die Interessenlage der Gemeinde/Stadt für ein Nachtflugverbot artikulieren, in der Fluglärmkommission und auch direkt gegenüber der Landesregierung Brandenburg. Erfahrungsgemäß mit wenig Aussicht, Gehör zu finden.   Dennoch sollte/muss sich die Stadt Wildau argumentationsstark zu Wort melden, wenn die reale menschliche Fluglärmbelastung dies erfordert (Gefahren für die Gesundheit!). Das werde ich tun! Mit Unterstützung des Gegenlärm e.V.. 

Das deutliche Ergebnis des Volksbegehrens verpflichtet einen Bürgermeister einer vom Fluglärm
betroffenen Stadt wie Wildau zum Handeln im Sinne der Bürger, weshalb ich mich als Bürgermeister für ein Nachtflugverbot entsprechend einsetzen werde. Als hier lebender Mensch
und Vater zweier Kinder habe ich zudem ein deutliches persönliches Interesse daran, dass die Wildauer*innen ruhig schlafen können. Bei der Wahl der Form meines Engagements würde ich
gern auf Ihre Erfahrungen im Kampf gegen Lärm zurückgreifen. Das vehemente Einfordern des Nachtflugverbots bei der Landesregierung wäre sicher meine Aufgabe. Sie als die Expert*innen
auf diesem Gebiet wissen sicher einiges mehr und können mich gut beraten.
Ein Nachtflugverbot mindestens von 22:00-06:00 Uhr halte ich für absolut unumgänglich. Das Problem dabei ist, dass ein Bürgermeister hierzu nichts entscheiden kann. Die Verantwortlichen für eine Einschränkung des Flugverkehrs sind die Länder Berlin und Brandenburg sowie der Bund. Da die  regierungsverantwortlichen der SPD und der Linken meist nicht verantwortungsvoll genug sind, die Bevölkerung zu schützen, fordern die AfD-Fraktionen dies ständig ein. Deshalb ist es wichtig, sie in der Bundestagswahl 2017 und in der Landtagswahl 2019 zu stärken. Als Bürgermeister werde ich jeden rechtlichen Spielraum nutzen, um die Bevölkerung in Wildau vor Fluglärm zu schützen, und, falls nötig, den Klageweg beschreiten.
         
Frage 2: In welchem Umfang werden Sie die Errichtung von a) Ultrafeinstaub-Messstationen / b) Lärm-Messstationen  in Ihren Kommunen politisch und materiell unterstützen?
         
Als Bürgermeisterin werde ich mich von Fachleuten des Umweltbundesamtes raten
lassen, wo Messstationen auf dem Gebiet von Königs Wusterhausen sinnvoll sind und dann entsprechende Massnahmen vorschlagen. Wenn KW nicht wie Zeuthen einen Beschluss zur Errichtung von Ultrafeinstaub-Messstationen hat, werde ich eine solche Beschlussvorlage erarbeiten lassen. Ich werde die Erforderlichkeit der Nullmessung herausstellen, um den Nachweis der Vorher- und  nachhersituation zu erbringen. Die
Messstationen des BER, des Verursachers, allein, ist m.E. nicht ausreichend. Eine  Ultrafeinstaubmessung muss unabhängig, wissenschaftlich und standortbezogen sein. Lärmmessungen werden von einzelnen Verkehrsträgern durchgeführt. Der Kreis betreibt
eine Lärmmesstation, die nutzbar ist für Flug- und Bahnverkehr. Aber es muss die Problematik Gesamtlärm erfasst werden, zumal durch den BER ein völlig neuer Verkehrsknotenpunkt und somit Lärmknoten entsteht mit weiten Ausläufern. Eindeutige
gesetzliche Regelungen sind für die angestrebte Verkehrsrichtlinie erforderlich.
Die zwingende Einrichtung von festen und auch mobilen Messstationen sowohl für Lärm als auch für Feinstaub hat in einem dichteren Netz als aktuell durch den Verursacher Flughafengesellschaft zu erfolgen.

Die mobile Lärmmessstation des Landkreises werde ich zur Überprüfung besonderer Lärmquellen (Autobahn und Bahn) auch im Stadtgebiet einsetzen lassen.
Entsprechende Messstationen sind notwendig, um ein realistisches, genaues und im Notfall auch gerichtsverwertbares Bild von realen Feinstaub- und Fluglärmbelastungen zu erhalten. Sowohl gegenüber der FBB als auch im Zusammenwirken mit dem Landkreis werde ich mich um die Einrichtung entsprechender Messstationen bemühen. Wenn nicht anders möglich, sollte die Stadt selbst solche Messstationen anschaffen. Dies ist im Interesse der Gesundheit der Wildauer Bürger notwendig. Der erforderliche Investitions- und Betreuungsaufwand sollte von der Stadt geleistet werden. Ultrafeinstaub- und Lärmmessstationen scheinen mir aus meinem Wissen heraus, dass sowohl Ultrafeinstaub als auch Lärm gesundheitsschädlich sind, für sinnvoll, weshalb ich gern mit Ihnen dafür streiten möchte, dass solche Messstationen installiert werden. Vermutlich werden nur mit Daten solcher Stationen die Dimensionen von Belastungen abbildbar und Maßnahmen zu deren Reduzierung bei den Verantwortlichen einforderbar. Die Pflicht zur Übernahme der Kosten für die Errichtung der Messstationen sehe ich bei den Emissionsverursacher*innen. Da ich vermute, dass dort keine allzu große Bereitschaft besteht, wird es meine Aufgabe sein, bei den Verantwortlichen von Flughafen, Bahn und Autobahn entsprechende Forderungen vorzutragen. Politisch werde ich die Errichtung solcher Messstationen vom zuständigen Landesumweltamt einfordern. Insbesondere die sehr teuren Messverfahren zum
Ultrafeinstaub wird eine Kommune nicht allein stemmen können, weshalb der Rückgriff auf eine höhere Ebene erforderlich sein wird. Dass diese Werte erhoben werden, ist mir
allerdings sehr wichtig, denn nur so erhalten wir ein ehrliches Bild über die
Immissionsbelastung vornehmlich durch den Flug- und Bahnverkehr.
In jedem Falle setze ich mich aber für die durchgehende Erhebung von Lärm- und Feinstaubwerten ein, damit eine stabile Datenlage vorhanden ist. Hierfür möchte ich auch kommunale Messstationen betreiben. Die aktuelle Datenlage ist unzureichend und muss verbessert werden.
         
Frage 3:  Was werden Sie unternehmen, um eine dritte Start- und Landebahn am BER zu verhindern?
         
Nach jetzigem Stand hat das Land Brandenburg als Beschlussvorlage, dass es keine 3. Start- und Landebahn gibt. Nach derzeitiger Rechtslage liegt es allein in der Verantwortung der Flughafengesellschaft, ein Planfeststellungsverfahren für eine 3. Start- und Landebahn auszulösen, dessen Ausgang ungewiss ist. Deshalb werde ich mich auf Landesebene für ein landesplanerisches Ausbauverbot des BER einsetzen, da das dichtbesiedelte Gebiet
rund um den BER keine weitere Start- und Landebahn und keine Zunahme des
Flugverkehrs verträgt. Das muss immer wieder betont werden gegenüber allen Fraktionen im Landtag. Das Thema
muss immer präsent bleiben, steht also permanent auf der Tagesordnung.
Eine dritte Start- und Landebahn ist planungsrechtlich aussichtslos. Darauf haben sich die großen Brandenburger Parteien wie die CDU abschließend verständigt. Eine 3.  (südliche) Start- und Landebahn für den BER würde die Belastung für die Bürger von Wildau und Kwh deutlich erhöhen. Sie ist deshalb abzulehnen. Die Entscheidungshoheit liegt allerdings bei den 3 Gesellschaftern der FBB. Gegebenenfalls muss versucht werden, über eine Volksinitiative bis hin zu einer Volksabstimmung die 3. SLB zu verhindern. Hierbei würde ich persönlich mitwirken und ich würde mich für eine entsprechende Mitwirkung der Stadt Wildau politisch einsetzen. Hier möchte ich mit Ihnen gemeinsam wachsam sein, um frühestmöglich davon zu erfahren, wenn solche Pläne ernsthaft verfolgt werden, um dann mit Ihnen und den anderen betroffenen Kommunen gut vorbereitet dagegen vorgehen zu können. Mir erschließt sich, dass aus wirtschaftlichen Gründen und aus Gründen der steigenden Passagierzahlen von den Verantwortlichen darüber nachgedacht wird, Kapazitäten auszuweiten. Für mich als Laien auf diesem Gebiet stellt sich aber die Frage, ob dem nicht auch anders, z.B. mit dem Weiterbetrieb des Flughafens Tegel oder über andere dezentrale Lösungen begegnet werden könnte. So ließen sich imho Belastungen verteilen und trotzdem Kapazitäten erweitern. Nach der desaströsen Entwicklung des BER-Flughafens halte ich dieses Projekt für technisch und politisch tot. Ich teile die Meinung der AfD-Landtagsfraktion, die fordert, den Flughafen in Betrieb zu nehmen, nur um dann einen vernünftigen und funktionierenden Flughafen woanders zu bauen. Angesichts der Tatsache, dass die Flughafengesellschaft nach Jahren immer noch nicht die Auflagen der Baubehörde erfüllen kann, wird klar, dass jegliche zukünftige Erweiterung aberwitzig wäre und ähnlich skandalös verlaufen würde. Ich werde zusammen mit meinen Parteikollegen nachweisen, dass eine dritte Startbahn nicht umsetzbar ist, und auf diesem Wege eine Erweiterung nachhaltig verhindern. Mit der AfD wird es sie nicht geben.
         
Frage 4: Welche Vorschläge haben Sie zur Verbesserung des Gesundheitsschutzes der Bevölkerung hinsichtlich Lärm- und Feinstaubbelastung durch Autobahn-, Zug- und Flugverkehr?
         
Wichtig ist, auf die Einhaltung des erfolgten Planfeststellungsverfahrens und auf durch Gerichtsurteile bestätigten Massnahmen zum Lärmschutz zu beharren vor der Eröffnung des BER. Ich werde die Interessen der Stadt in der Fluglärmkommission vertreten.
Bei Lärmmessungen muss es einen Maximalpegel geben und nicht Durchschnittswerte. Spitzenwerte müssen besonders nachts herangezogen werden, weil sie die Menschen nicht schlafen lassen und dadurch krank machen. Das Flughafenpersonal braucht strenge
Kriterien, um nicht dauernd zu Ausnahmeregelungen, die dadurch zur Regel werden könnten, genötigt zu werden. Eine Dokumentation dieser Ausnahmen mit öffentlicher
Auswertung halte ich für erforderlich.
Es gibt wissenschaftlich fundierte Untersuchungen zu gesundheitlichen Folgen an Flughäfen. Deshalb müssen mehr Vorsorgeuntersuchungen stattfinden. Die im Umfeld von Flughäfen vorhandene Krankheitsrisiken müssen bei Krankenkassen, Ärzten, Rettungsdiensten schneller erkannt und behandelt werden. Statistiken müssen eingefordert
werden, um auf Problemkreise schnell reagieren zu können.
Die Stadt wird konsequent und mit mir schneller ihr eigenes Verkehrs- und Mobilitätskonzept umsetzen zur Verringerung von den schon jetzt erheblichen Verkehrsbelastungen z.B. durch die Förderung von Elektromobilität. Viel stärker muss auch mit Beteiligung von Bund und Land der Lärmschutz an den Bahn- und Autobahn-Trassen erfolgen. Der Umgang mit den entsprechenden Belastungen ist gesetzlich geregelt. Insofern ist die objektive Feststellung der entsprechenden Belastungen eine notwendige Voraussetzung dafür, im Bedarfsfall den Rechtsweg zu beschreiten (also Messstationen siehe 2.). Für die Nutzung des Rechtsweges – wenn nötig -, würde ich mich in Wildau politisch einsetzen. Außerdem sind stadtinterne Möglichkeiten zur Feinstaub- und Lärmverringerung zu nutzen. Bezogen auf die Lärmbelastung liegt eine entsprechende Planung der Stadt bereits vor. Die Umsetzung erfolgt schrittweise, u.a. im Zuge der Erneuerung der Straßen. Wie bereits bei Frage 2 angedeutet, glaube ich, dass es an uns sein wird, Belastungen valide nachzuweisen, um bei den Verursacher*innen nachdrücklich deren Reduzierung anmahnen zu können. Und selbst dann wird es wahrscheinlich ein schwieriges Unterfangen. Vielleicht lassen sich neben technischen Fortentwicklungen, auf die wir keinen Einfluss haben, und „Lärmschutzbauten“ hier auch keine echten Reduzierungen erreichen. Aber die Großverursacher*innen können vielleicht erfolgreich angehalten werden, sich finanziell an emissionsreduzierenden Vorortprojekten zu beteiligen. So könnten wir über die Entwicklung regionaler Mobilitätsprojekte (Steigerung der Fahrradfreundlichkeit, Erhöhung der Attraktivität des ÖPNV z.B. durch Verkürzung des S-Bahn-Taktes, E-Mobilität) selbst direkt zum Gesundheitsschutz der Bevölkerung beitragen. Für die Autobahn fordere ich eine Lärmschutzwand, für die Bahn und den Flugverkehr eine komplette Abkehr von der bisherigen Politik. Ich plädiere für die ersatzlose Streichung der GORIG 1B und der LULIG 1B-Flugrouten aus Gründen des Lärmschutzes und der Flugsicherheit. Zudem verlange ich ein Ende des Betriebs der Bahnstrecke als Hauptverkehrsroute und werbe für die Neuerrichtung einer Güterbahntrasse abseits der Ortschaften. Es kann nicht sein, dass eine Großstadt und ein Großflughafen durch Trassen versorgt werden, die mitten durch underschöne, florierende Ortschaften verlaufen. Wir leben nicht mehr im Mittelalter! Als Bürgermeister will ich den nötigen politischen Druck hierzu koordinieren und aufbauen.
         
Frage 5: Welche Ideen haben Sie besonders hinsichtlich der Ersterrichtung / Verbesserung von Schallschutzmaßnahmen entlang der Eisenbahntrasse, der Autobahnen A10 und A13 sowie hinsichtlich der Überflüge startender und landender Flugzeuge?
         
Bei der Bahn gibt es Fonds für Bestandsstrecken, die z.T. nicht genutzt werden. Dieser Zustand ist nicht hinnehmbar. Den vom Lärm betroffenen Menschen könnte man helfen,
und dazu muss ein Weg gefunden werden.
Für den Flugverkehr wären ebensolche Fonds einzurichten, um ein Minimum für einen passiven Lärmschutz zu erreichen.
Der Lärmaktionsplan von Königs Wusterhausen (Abschlussbericht vom 22.06.2016) muss regelmässig überprüft, vervollständigt und überarbeitet werden. Im Falle der Eröffnung des BER sollte man die empfohlenen Abstände von 5 Jahren dafür ggf. verkürzen.
Priorität hat hier für mich der kurzfristige Neubau des Lärmschutzes an der A10 von der Autobahnabfahrt Königs Wusterhausen bis hinter Uckley. Ich sehe auch Bund und Land in der Pflicht, endlich den zunehmenden Bahnlärm an der Trasse der  Görlitzer Bahn in den Griff zu bekommen.

In der Fluglärm- und besonders Flugrouten- und Flugregimefrage werde ich genauso konsequent handeln wie es die Stadt auch bisher mehrfach getan hat.
Die Stadt hat als ersten Schritt bereits 2011 einen Lärmaktionsplan mit entsprechen-den Maßnahmevorschlägen erarbeitet. Gegen den Autobahnlärm wäre eine Lärm-schutzwand sinnvoll. Diesbezügliche Vorstellungen der Stadt wurden aber vom Autobahnamt auf der Grundlage der aktuell geltenden gesetzlichen Bedingungen abgelehnt, weil danach die gegenwärtige Lärmbelastung der Stadt Wildau nicht hoch genug ist, um eine entsprechende Lärm-schutzinvestition zu rechtfertigen. Eine ähnliche Situation ergibt sich bei der Eisenbahn. Wenn die Bahn ihre Fahrge-schwindigkeit und damit die Lärmemission im Bereich Wildau deutlich erhöhen würde, dann müssten sog. passive Schallschutz-maßnahmen wie etwa Schallschutzwände realisiert werden. Ohne Erhöhung der Fahrgeschwinigkeit sind entsprechende Schallschutzmaßnahmen für die Bahn aber rechtlich nicht geboten und werden deshalb von ihr auch nicht umgesetzt. Der zukünftige Fluglärm muss zunächst beob-achtet und vor allem gemessen werden. Nach einem Betriebsjahr des BER werden die gegenwärtig festgelegten Flugrouten von der zuständigen Bundesbehörde (Bun-desaufsichtsamt für Flugsicherung) noch einmal überprüft u. ggf. optimiert. In die-sen Prozess muss sich die Stadt aktiv mit ihren Argumenten und Daten einbringen. Da Lärmschutz am Emissionsort bzw. auf dem Schallausbreitungsweg am effektivsten ist, erscheint es mir sinnvoll, dort anzusetzen. Vorstellbar wäre das Aufbringen von „Flüsterasphalt“ auf den stadtnahen Autobahnabschnitten oder mindestens tageszeitabhängige strenge Tempolimits für Autobahn und Zug. Die generelle Reduzierung von Verkehr (Verbesserung des ÖPNV, Erhöhung der Fahrradfreundlichkeit, E-Mobilität, eigener Verzicht auf z.B. Inlandsflüge) können einen Beitrag leisten. Schallschutzwände, gar innerstädtisch, wären für mich nicht die erste Lösung und auch maximal begrünt vorstellbar. Hierzu würde ich aber auf jeden Fall die Anwohner*innen befragen wollen. Optimal wäre eine Lärmschutzwand für die A10 mindestens von der Wildauer
Stadtgrenze bis zur Dahme. Die Eisenbahntrasse wäre ebenfalls durch Lärmschutzwände oder einen Lärmschutztunnel schalltechnisch zu verbessern. Wie in Frage 4 beschrieben, schlage ich allerdings vor, die Flugrouten über Wildau nicht einzurichten und die Bahntrasse von Königs Wusterhausen ausschließlich zum Personenverkehr zu nutzen. Maßgeblich für die hohen Lärmimmissionen sind die (oft auch in der Nacht fahrenden) Güterzüge. Diese müssen zwingend andere Trassen bekommen. Alles andere ist nicht
zukunftsfähig! Für diese Änderungen in der Infrastruktur werde ich mich bei den Verantwortlichen nachdrücklich einsetzen. Ein Nachtfahrverbot für Züge werde ich rechtlich prüfen.
         
Frage 6: Erläutern Sie, ob Sie die Schaffung einer zentralen Koordinierungsstelle von Lärmschutzmaßnahmen für Wildau und Königs Wusterhausen befürworten?
         
Die Schaffung einer zentralen Koordinierungsstelle für Lärmschutzmassnahmen sollte man
nicht auf Königs Wusterhausen und Wildau begrenzen, was vermutlich mit der befürchteten Route 5 über diese Orte zusammenhängt. Das Thema ist übergreifender bis mindestens zur
Landesgrenze zu Berlin. Alle von den Problemen betroffenen Menschen sollten in einer Schutzgemeinschaft ihre Aktionen bündeln und versuchen, eine Spaltung ihrer Kräfte zu vermeiden. Ich werde mich ausdrücklich gegenüber dem Land und dem Kreis für die Einrichtung eines
unabhängigen Lärmschutzbeauftragten für die Betroffenen einsetzen. Mir ist schmerzlich bewusst, als Bürgermeisterin rechtliche und gestalterische Möglichkeiten nur sehr begrenzt dem Fluglärm entgegensetzen zu können. Aber die Möglichkeiten, die ich habe, werde ich mit grossem Engagement nutzen und durch persönlichen Einsatz versuchen zu erweitern.
Eine zentrale Koordinierungsstelle für zwei Städte erscheint wenig aussichtsreich. Ich setze hier auf die eigene Stärke Königs Wusterhausens. Ich bin für eine enge Abstimmung und Zusammenarbeit von Wildau und Königs Wusterhausen beim Lärmschutz, sowohl auf der fachlichen , als auch auf der politischen Ebene. Eine zentrale Koordinierungsstelle halte ich aber nicht für hilfreich. Die Bedingungen in Bezug auf die Lärmschutzanforderungen unterscheiden sich zwischen Kwh und Wildau erheblich. Auch kommunalrechtlich wäre eine entsprechende  zentrale Koordinierungsstelle kompliziert. Der bürokratische  (und der finanzielle) Zusatzaufwand wären erheblich. Beide Verwaltungen müssen in Bezug auf den Lärmschutz aber personell-fachlich sehr gut aufgestellt sein, um die hier anstehenden anspruchsvollen Aufgaben erfüllen zu können. Ich halte eine solche zentrale Koordi-nierungsstelle von Lärmschutzmaßnahmen für eine gute Idee. Regionale Konzepte der Verkehrsreduzierung z.B. werden nur dann erfolgreich sein, wenn sie über Ortsgrenzen hinaus gedacht und koordiniert werden, weil z.B. ein Fahrradweg nicht am Ortsausgangsschild enden sollte. Und es kann nur von Vorteil sein, wenn die Kommunen koordiniert auf Lärmverursacher*innen einwirken. Warum diese Koordinierungsstelle allerdings nur für Wildau und Königs Wusterhausen tätig sein sollte erschließt sich mir nicht sofort. Mindestens im engen Verflechtungsraum mit Zeuthen, Eichwalde und Schulzendorf sehe ich hinsichtlich des Lärmschutzes gleiche Problemlagen, die man dann doch auch mit diesen Kommunen im Fünferverbund angehen könnte. Ich würde dies befürworten, wenn die politische Situation es erlaubt. Ich finde allerdings, dass die Diskussion vor allem um den BER sehr parteipolitisch geprägt ist. Wird das Bürgermeisteramt in Königs Wusterhausen von einer  Partei besetzt, die den BER ablehnt oder kritisch sieht, ist eine solche zentrale Koordinierungsstelle sinnvoll. Hat die Partei des neuen Bürgermeisters von Königs Wusterhausen den BER-Skandal aber zu verantworten (SPD, Linke, CDU), dann wäre der Bürgermeister parteiisch. In diesem Fall werde ich eine zentrale Koordinierungsstelle ablehnen. Wildau braucht keine halbherzigen oder rechtfertigenden Lösungen, die keinem weiterhelfen, sondern einen
Bürgermeister, der anpackt und sich für seine Stadt einsetzt.
   
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